Pro-life-Generation vs. Pro-Abortion-Generation

Abtreibung ist schon lange ein Tabu-Thema. Kaum eine Frau hat sich getraut offen darüber zu reden, geschweige denn zuzugeben, eine Abtreibung vorgenommen zu haben. Doch langsam wird das Thema, auch in den Medien, öfter präsent. Durch das absolute Abtreibungsverbot in Alabama werden viele überhaupt darauf aufmerksam. Stars melden sich zu Wort und stellen sich gegen das Gesetz. Die US-Moderatorin Busy Philipps beichtete nach Jahren des Schweigens, dass sie mit 15 eine Abtreibung hatte. Es fiel ihr dennoch sichtlich schwer.[1] Das sollte es aber nicht. Jeder Mensch hat das Recht darauf selbst zu bestimmen, was er mit seinem Körper macht.

„I am the pro-life Generation!” heißt es auf vielen Plakaten, welche gegen Abtreibung demonstrieren. Doch was genau sind ihre Argumente?

„Abtreibung schadet deinem Körper“

Ihre Positionen werden oft damit begründet, dass die Frauen Schäden davontragen können.

Natürlich stimmt das auch. Der Arzt kann bei der Abtreibung den Gebärmutterhals oder den Bauchraum verletzten. Eine Infektion ist auch nicht auszuschließen. Mögliche Folgen davon wären Fehl-, Früh-, oder Spätgeburten. Auch die Narkose kann Nebenwirkungen haben.

Aber sind das alles Gründe dafür, eine Abtreibung nicht durchzuführen? Genaue Statistiken dazu, wie oft Komplikationen auftreten, sind im Internet leider nicht zu finden.

Aber es kann auch bei jeder OP eine Nebenwirkung auftreten. Jeder Eingriff am Körper ist ein gefährlicher und geht mit Risiken einher.

Auch die Geburt ist kein Kinderspiel

Geburten können auch Risiken mit sich tragen. Ein Beispiel aus meinem Bekanntenkreis ging mir besonders nah.

Die Mutter liegt in den Wehen und freut sich darauf ihr Kind zu bekommen. Es treten jedoch Komplikationen auf und der Arzt muss einen Kaiserschnitt vornehmen. Das Kind muss so schnell wie möglich aus dem Mutterleib geholt werden, sonst stirbt es. Unter Vollnarkose wird das Baby per Kaiserschnitt geboren und überlebt nach Reanimationsversuch. Doch dann bekommt die Mutter in der Nacht Fieber und starke Schmerzen im Unterleib. Es muss eine Not-OP durchgeführt werden. Beim Kaiserschnitt wurde offenbar die Gebärmutter verletzt und es kam zu einer Blutvergiftung. Sie überlebt den Eingriff, aber es ist klar, diese Frau kann keine Kinder mehr bekommen. Eine Woche liegt sie auf der Intensivstation und insgesamt über einen Monat im Krankenhaus.

Auch eine Geburt kann ein Kampf sein und Folgen mit sich tragen. Dieser Fall ging vergleichsweise glimpflich aus. Es kann aber auch vorkommen, dass die Mutter und/oder das Kind bei der Geburt sterben. Hören wir aber deswegen auf Kinder zu bekommen? Weil ein Risiko besteht? Wenn es so wäre, wären wir schon seit Jahrhunderten ausgestorben.

„Abtreibung macht dich psychisch kaputt“

Eine weitere Begründung der „Anti-Abortion“-Bewegung ist, dass Frauen nach der Abtreibung an psychische Folgen leiden können. Das können Depressionen, Angststörungen, Substanzmissbrauch, Suizidalität oder post-traumatische Belastungsstörungen sein.

Jedoch gibt es keine genauen Studien, ob eine Abtreibung wirklich zu psychischen Krankheiten führt.

Natürlich lösen belastende Situationen Stress aus und sind eine mögliche Ursache für psychische Störungen.

Aber auch während der Schwangerschaft und nach der Geburt ist die Frau in einer Stress-Situation.

„Etwa 12 von 100 Frauen haben in der Schwangerschaft eine Depression. Nach der Geburt tritt bei bis zu 15 von 100 Frauen eine Depression auf. Der Fachbegriff dafür lautet postpartale Depression. Damit ist jedoch nicht der Baby Blues (Heultage direkt nach der Geburt) gemeint, sondern länger als zwei Wochen andauernde depressive Beschwerden.“[2]

Jeder Mensch sollte das Recht haben, über seinen eigenen Körper zu entscheiden

Ich glaube nicht, dass es für jede Frau leicht ist, ein Kind abzutreiben. Ganz im Gegenteil, viele Frauen fällt diese Entscheidung sehr schwer. Darum ist eine gute (Risiko-)Aufklärung und Unterstützung überaus wichtig und von Nöten. Dadurch können die psychischen Folgen minimiert und die physischen Folgen bewusster gemacht werden.

Aus kindheitswissenschaftlicher Sicht liegt jedoch ein Konflikt vor. Das Kind hat gar nicht die Möglichkeit zu sagen oder zu zeigen, ob es leben will oder nicht. In den Kindheitswissenschaften ist die Partizipation von Kindern überaus wichtig. Das Kind kann in diesem Fall keine Entscheidung treffen. Dabei entsteht eine Debatte, ab wann das Kind überhaupt als „menschliches Wesen“ bezeichnet werden kann. In den meisten Ländern gibt es Regelungen, bis wann eine Abtreibung vorgenommen werden darf. Ich finde es auch sehr gut, dass es in Deutschland eine Beratungspflicht gibt, ohne diese dürfen keine Abtreibungen durchgeführt werden. Den Frauen ist also bewusst was sie tun und welche Folgen es für sie haben könnte. Wenn sie sich dann trotzdem für eine Abtreibung entscheiden sollten, ist das auch ihr gutes Recht. Denn nur sie sollten über ihren Körper entscheiden dürfen. Niemand sonst darf sich das Recht dazu nehmen.

Anne Hathaway zum Beispiel hinterfragt die „pro-life Generation“ mit folgendem Statement:

„The anti-abortion movement is primarily about controlling women’s bodies under the premise (for many, sincere) of saving lives […]”[3]



Quellen:

– Gommel: Schwangerschaftsabbruch. In: Chr. Hick. (Hrsg.): Klinische Ethik. Springer, Wiesbaden, 2007, S. 153-160.

– Hoffmann, Petra: Schwangerschaftsabbruch. Centaurus Verlag & Medien, 2013.


[1] Philipps, Busy. 08.05.2019. über: https://www.instagram.com/p/BxNFgSZgOsq/, zuletzt: 04.06.2019.

[2] Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (äzq): Ein Baby – Traurigkeit statt Glücksgefühle. 2016, unter: https://www.patienten-information.de/mdb/downloads/kip/psychische-erkrankungen/depression-schwangerschaft-kip.pdf, zuletzt: 25.05.2019.

[3] Hathaway, Anne. 18.05.2019, über: https://www.instagram.com/p/Bxm2XSGFolZ/?igshid=1bcnzpwirb4nw, zuletzt: 20.05.2019, um 12:42 Uhr. Dt: Bei der Abtreibungsbewegung geht es in erster Linie darum, den Körper der Frauen zu kontrollieren, unter der Prämisse (für viele aufrichtig) leben zu retten.

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