Das „perfekte“ Baby

In der 11. Klasse haben wir im Biologieunterricht den Film „Gattaca“ (https://www.youtube.com/watch?v=PC6ZA1dFkVk) gesehen, der in der Zukunft spielt. Fast alle Menschen wurden durch Präimplantationsdiagnostik (PID) optimiert und waren „perfekt“, bis auf den Protagonisten, der versucht sich als einer von ihnen auszugeben und nur mit großen Mühen mithalten kann. Dieser Gedanke hat mir Angst gemacht, die Menschen waren zu „makellos“ und gleich. Diese Darstellung von sogenannten „Designer-Babys“ ist vermutlich das, wovor die meisten Menschen Angst haben. Doch hinter dem komplexen medizinischen Vorgang der PID steckt etwas anderes. Aber was kann schon verwerflich an einem Kinderwunsch und der Geburt seines gesunden Kindes sein?

Auswahl des menschlichen Erbguts

Die Präimplantationsdiagnostik wurde im Zusammenhang mit den verschiedenen Verfahren künstlicher Befruchtung ursprünglich entwickelt, um Embryos mit der Gefahr einer Erbkrankheit oder eines Chromosomenfehlers auszusortieren und so mit größerer Wahrscheinlichkeit einen gesunden Embryo in die Mutter zu übertragen. Heutzutage bietet die PID jedoch noch mehr Möglichkeiten. In einigen Ländern können Paare sich das Geschlecht ihres Kindes und bestimmte Veranlagungen aussuchen oder ihr Kind zum Stammzellenspender für ein krankes Geschwisterkind umfunktionieren.

Haben wir eine Wahl?

Allein der Gedanke an Selektion schreckt viele Menschen ab, da er in der Zeit des Nationalsozialismus eine furchtbare Umsetzung erfuhr. Bereits die PID, wie sie in Deutschland angewendet wird, ist schon für viele Menschen fragwürdig. Sollte die Selektion nicht allein der Natur überlassen sein? Zwar sollen bei der PID nur schwerwiegende Erbkrankheiten und Chromosomenfehler ausgeschlossen werden (Bundesgesetzblatt (21.11.11): Gesetz zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik. http://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Downloads/DE/Bibliothek/Gesetzesmaterialien/17_wp/PID/bgbl.pdf;jsessionid=7A29046574C95F59D0ACCBAC657246D4.2_cid354?__blob=publicationFile), aber bei der künstlichen Befruchtung werden ja von vornherein Embryos ausgewählt, die in die Gebärmutter übertragen werden. Nach welchen Kriterien werden diese ausgewählt und wer entscheidet, ob der eine Embryo die Chance bekommt zu leben, während die anderen getötet werden? Allein hier findet also bereits eine Selektion statt. Gleichzeitig entsteht durch die medizinischen Möglichkeiten ein gesellschaftlicher Druck, nur gesunde Embryonen zuzulassen und vielleicht wächst dadurch auch der Wunsch nach einem „perfektem Baby“.

Frauenmangel

Das könnte in Asien (Antja Christ, Dorothe Dörholt (06.02.19): Die unerwünschten Töchter – Frauenmangel in Asien. https://www1.wdr.de/fernsehen/die-story/sendungen/die-unerwuenschten-toechter-100.html) ein Problem werden, falls PID im Rahmen der Geschlechterauswahl in bestimmten Ländern zugelassen wird. Die meisten Leute dort wollen einen männlichen Nachwuchs und bereits jetzt sind Jungen dort oft in der Überzahl (Frauen werden als Last für die Familie angesehen, die sowieso verheiratet werden und die Familie verlassen). In anderen Ländern geht es eher ums „family-balancing“, eine ausgeglichene Zahl an Jungen und Mädchen in der Familie. In Amerika, wo PID bereits zur Geschlechterselektion genutzt wird (ohne Krankheitshintergrund), kann man sich als zweites Kind dann eben einen Jungen „aussuchen“, damit man dann beides hat. Aber ist es nicht viel schöner, von der Natur überrascht zu werden?

Kindliche Organspender

Jeder, der den Film „Beim Leben meiner Schwester“ (https://www.youtube.com/watch?v=_oWsKIKpAWk) gesehen hat, weiß vermutlich wovon hier die Rede ist. Ein Geschwisterkind, dass durch PID gezeugt wurde, um einem kranken Geschwisterkind (z.B. Leukämie) mit einer hohen Produktion an kompatiblen Stammzellen zu helfen. Inwieweit kann es verwerflich sein, seinem kranken Kind helfen zu wollen? Dies kann durchaus dann der Fall sein, wenn das Kind eigentlich nur geboren wurde, um seinem Geschwisterkind zu helfen, somit vielleicht später vernachlässigt wird. Denn wie muss sich ein Mensch fühlen, wenn der einzige Grund warum die Eltern einen haben wollten, darin bestand, dem kranken Geschwisterkind als Spender zu dienen?

Und nun?

Die Angst der Menschen vor „Designer-Babys“ ist vermutlich eher unbegründet, denn auch die Medizin hat noch ihre Grenzen. Zum Glück kann die Medizin nicht alle Merkmale von Babys bestimmen, Eltern können also nie ganz wissen, was sie erwartet. Jeder hat andere Vorstellungen von einem perfekten Menschen, aber einige Merkmale sind natürlich beliebter. Der Gedanke macht gleichwohl Angst, denn das besondere an Menschen ist doch, dass sie alle verschieden und einzigartig sind. Der Wunsch nach einem gesunden Baby unter Zuhilfenahme der PID ist noch nachzuvollziehen, wobei auch hier schon eine Selektion stattfindet, deren Einsatz immer kritisch begleitet werden sollte. Jeder Mensch sollte so geliebt und respektiert werden, wie er ist, und kein Kind sollte nur als Material für einen bestimmten Nutzen auf diese Welt kommen.

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