Die Bedeutung – Ein Produkt, das nicht gekauft werden kann

„Nichts bedeutet irgendetwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendetwas zu tun.“

Mit diesem Satz wird die Handlung in dem Buch ,,Nichts was im Leben wichtig ist” von Janne Teller wie ein Stein ins Rollen gebracht. Denn als der junge Pierre Anthon mit dieser Aussage die Schule und seine schockierten Mitschüler verlässt, beschließen sie, ihm vom Gegenteil zu überzeugen: In einem stillgelegten Sägewerk tragen sie verschiedenste Dinge zusammen, die den „Berg der Bedeutung“ bilden. Und was mit einer harmlosen und gut gemeinten Aktion für ihren Mitschüler beginnt, endet in einer Katastrophe geprägt von Gewalt: Die Schüler zwingen sich gegenseitig, Dinge zu opfern, die für sie einen besonderen persönlichen Wert haben.

Und je mehr Schmerz beim eigenen Opfer empfunden wird, desto mehr wird beim nächsten Opfer verlangt, worauf ein Teufelskreis entsteht. Die Situation eskaliert so sehr, dass Symbole des Glaubens, die Unschuld eines Mädchens, der Kopf eines Hundes und der Zeigefinger eines Jungen geopfert werden. Daraufhin werden Polizei und die Öffentlichkeit auf den Berg der Bedeutung aufmerksam, der anschließend von einem amerikanischem Museum für mehrere Millionen Dollar gekauft wird. Doch so schnell wie die Pressemedien gekommen sind, sind sie auch wieder weg, wie Pierre Anthon vorhergesagt hat. In seinen Augen ein weiterer Beweis der Bedeutungslosigkeit. Nachdem die Schüler bemerken, dass der Berg letztendlich keine Bedeutung trägt, geraten sie aus Wut in eine Schlägerei darüber, was sie voneinander verlangt haben. Als Pierre Anthon plötzlich im Sägewerk auftaucht, beginnt er, den Berg zu verhöhnen und sagt unter anderem Folgendes: „Falls dieser Misthaufen jemals etwas bedeutet hat, war damit an dem Tag Schluss, als ihr dafür eine Bezahlung angenommen habt.“

Wie haben, was wir brauchen, doch brauchen noch, was wir nicht haben

Ich möchte nun den Fokus auf die eben genannte Aussage von Pierre Anthon legen. In unserer Gesellschaft, geprägt vom Kapitalismus, können wir theoretisch alles haben, was wir wollen. Und obwohl wir dadurch ein Leben im Wohlstand führen, sind wir doch so arm. Wie genau meine ich das? Ich werde es an einem Beispiel erklären: Meine Schwester hat ihrem Sohn zu seinem Geburtstag so viel geschenkt, dass am Ende der gesamte Esstisch unter den Geschenken verschwunden war. Als meine Mutter in seinem Alter war, hätte wahrscheinlich die Sitzfläche des Stuhls für ihre Geschenke ausgereicht. War sie deshalb unzufriedener, weil sie weniger bekommen hat? Die Antwort ist Nein. Ich vermute sogar, dass sie glücklicher war, denn jedes Geschenk war etwas besonderes. Die Socken wurden von meiner Großmutter gestrickt. Nur die Wolle wurde im Dorfladen gekauft. Meine Tante hatte ihr ein Bild gemalt. Es war vielleicht keine Mona Lisa von da Vinci, doch es kam vom Herzen. Und mein Großvater hat den Tag davor eines der besten Hühner geschlachtet, damit es ein Festessen gibt. Und diese Henne wurde nicht einfach beim Metzger gekauft.

„Ein Geschenk ist genauso viel wert wie die Liebe, mit der es ausgesucht worden ist“ -Thyde Monnier

Es braucht also nicht viel, um glücklich zu sein. Es zählt die Qualität und nicht die Quantität. Der Film 100 Dinge zeigt dies auch nochmal deutlich: Von einem Tag auf den anderen müssen zwei Freunde mit den nötigsten Dingen auskommen und stellen dabei fest, wie abhängig sie doch vom Massenkonsum sind und wie wichtig etwas wird, wenn man nichts mehr besitzt.

Habgier – ist die Seuche, die das Land zerfrisst

Pierre Anthon’s Aussage, dass nichts einen Wert hat, kann ich nicht zustimmen. Wenn ich mit einem Gegenstand, einem Talent oder einer Person eine besondere Erinnerung habe, dann hat sie für mich einen persönlichen Wert, der weder messbar, noch vergleichbar auch nicht verkäuflich ist. Heutzutage ist es durch Massenproduktion möglich, unendliche Kopien von etwas herzustellen. Und dennoch unterscheidet sich beispielsweise die Uhr meines Vaters von den tausend anderen identischen Uhren, da er sie von meiner Mutter geschenkt bekommen hat. Henry Louis Mecken sagte einst:

„Der Hauptwert des Geldes besteht in der Tatsache, dass man in einer Welt lebt, in der es überbewertet wird“[1]

Ich finde, dass wir viel dankbarer sein sollten und mit dem Geld sorgsam umgehen. Geld kann uns nur kleine Glücksmomente wie einen Familienurlaub ermöglichen. Aber Geld allein macht nicht zufrieden, denn im Endeffekt bleibt es bedrucktes Papier und ist nicht wie eine Erinnerung etwas für die Ewigkeit.

„Bis ihr merkt, dass auch der größte Berg aus Geld entflammbar ist“ EnteTainment, 2019

Verfasst von Elias Heidepriem


Quellen/ Zitate:

http://zitate.net/wertsch%c3%a4tzung-zitate

https://genius.com/Entetainment-schwarze-zahlen-rote-zahlen-lyrics

[1] Schlichting, M. (2009). M.E.Z.A.G.E.Z. Norderstedt: Books on Demand.

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