Interview 2

Was studierst du an der Hochschule Magdeburg-Stendal? Wann hast du angefangen zu studieren?

Ich studiere Angewandte Kindheitswissenschaften seit Oktober 2017.

In welcher Institution absolvierst du dein Praxissemester

Ich arbeite in einer Jugendwohngemeinschaft im Ausland.

Wie bist du auf dein Praktikum gekommen? Was hat dich angeregt/motiviert?

Durch den Studiengang und dessen Modulhandbuch, in dem geschrieben ist, dass man ein 20-wöchiges Praktikum machen muss, war mir noch nicht bewusst, wo ich mein Praktikum absolvieren möchte. Mir war aber von Anfang an klar, dass ich es im Ausland durchführen möchte, das Land stand aber nicht fest.

Meine Motivation mein Praktikum im Ausland durchzuführen war einerseits die Kultur dort kennenzulernen sowie die Sprache zu lernen und vor allem zu schauen, wie andere Länder in Bezug auf soziale Berufe arbeiten und wie diese gefördert werden. Ein ganz neues System, neue Menschen und die Kultur kennenzulernen waren meine Hauptfaktoren.

Wie hast du deine Praktikumsstelle gefunden?

Ich bin auf die Stelle durch eine Freundin von mir aufmerksam geworden. Sie hat ebenfalls Kindheitswissenschaften studiert und hat auch ihr damaliges Auslandspraktikum dort absolviert. Durch sie habe ich die Einrichtung schnell im Internet gefunden und konnte recherchieren und mich belesen. Ebenfalls waren die Mitarbeiter immer offen für Telefonate und reger E-Mail Austausch war immer vorhanden.

Fühlst du dich gut vorbereitet auf das Praxissemester durch das Studium?

Ich bin der Meinung, man kann nie gut genug vorbereitet sein, wie z.B. auf eine neue Situation und in meinem Fall auf ein Auslandspraxissemester. Für mich waren die Vorbereitungsseminare auf das Praxissemester sehr wichtig, aufgrund der Tatsache, dass wir einen ausführlichen Bericht schreiben müssen. Aber auch Übungen zu den Themen „Wie erkenne ich eine gute Praktikumseinrichtung“ haben mich positiv auf meinen Aufenthalt eingestimmt.

Wie hast du die ersten Wochen deines Praktikums bis jetzt erlebt und wie sind deine Erfahrungen in der Institution? (Reflexion, kurzer Erfahrungsbericht)

In meinen ersten Wochen ist sehr viel passiert. Jeden Montag gibt es eine Teamsitzung in der über jeden Jugendlichen gesprochen wird und viele Thematiken behandelt werden. Schon dort wurde ich von allen Mitarbeitern nett begrüßt und wurde schnell in das Team integriert. In meiner ersten Woche hatte ich gleich eine Supervision, in dieser konnte ich meine Meinung einbringen und durch die Kiwi-Sicht die „eingefahrenen Meinungen“ der Mitarbeiter auflösen und zum Denken anregen. Ebenfalls habe ich an einer Weiterbildung (inklusive Workshops) teilgenommen zum Thema „Beziehungskompetenzen und eigene Emotionen“.

Im groben lässt sich zusammenfassen, dass ich sehr gut in das Team integriert wurde und meine Meinung immer respektiert und akzeptiert wurde. Ich wurde oft von den Teammitgliedern bestätigt, was für mich in dieser neuen Situation sehr wichtig war. Die Jugendlichen haben mich mit offenen Armen empfangen und ich habe zu jedem Jugendlichen Kontakt, bei dem Einen mehr, bei dem Anderen weniger. Was natürlich verständlich ist, da es für die Jugendlichen auch eine neue Situation ist. Große Sprachbarrieren sind nicht vorhanden, teilweise kommuniziere ich mit den Jugendlichen auf Englisch.

Durch die neue Situation habe ich sehr viel Stress erlebt und viele Emotionen, die während oder nach der Arbeit vorhanden waren. Da war es wichtig für mich, mich mit den Erziehern und Erzieherinnen zu unterhalten und eine „1 zu 1 Supervision“ durchzuführen.

Im Allgemeinen wird sehr auf meine Bedürfnisse geachtet, was die Planung der Arbeitsstunden angeht. Ebenfalls wird mir schrittweise mehr Verantwortung zugeteilt. Falls ich mit etwas überfordert bin, kann ich dies sagen und es wird eine andere Möglichkeit erarbeitet.

Was hast du gelernt bis jetzt und wodurch? (z.B. durch bestimmte Schlüsselsituationen, die dich herausgefordert haben etc.)

Ich habe gelernt mit Emotionen umzugehen, durch viele Gespräche und Eigenreflektionen. Außerdem habe ich gelernt, wie ich in Situationen umgehen muss, in der viele Aggressionen gezeigt werden und Gewalt vorhanden ist, da diese mindestens 3mal in der Woche stattfinden. In diesen Situationen habe ich erstmal den/die Erzieher/in beobachtet und danach über die Situationen gesprochen und dies reflektiert. Nun weiß ich, wie ich handeln kann und wie ich meinen Eigenschutz wahren kann.

Bist du während deines Praktikums mit anderen Studierenden in Kontakt? Wenn ja, wie tauscht ihr euch aus?

Da ich in einer Wohnung lebe und diese für alle Praktikanten frei ist, lebe ich derzeit mit 5 weiteren Personen in dieser Wohnung. Zwei von Ihnen sind ebenfalls Studierende der sozialen Arbeit und der Heilpädagogik. Die anderen zwei machen eine Ausbildung zum Erzieher und eine macht ein freiwilliges europäisches Jahr. Durch das Zusammenleben haben wir einen guten Austausch über Studieninhalte, aber auch über Situationen während der Arbeitszeit. Zu meinen Kommilitonen/innen aus dem Studium habe ich wenig Kontakt.

Wie hast du den Übergang von Studium in die Praxis erlebt? Wie fühlst du dich dabei und entspricht es deinen Vorstellungen und Erwartungen?

Durch die sehr lange vorlesungsfreie Zeit und den wenigen Kontakt zu meinen Kommilitonen/innen habe ich den Übergang nicht als „hart“ empfunden. Ich finde es einerseits gut, dass die Semesterferien so lange sind, um sich auf das Praktikum vorbereiten zu können. Andererseits kann ich (durch die lange Zwischenzeit) die gelernten Inhalte vom Praktischen Studienprojekt-Seminar kaum noch hervorrufen.

Ich würde mir wünschen, dass die Dozenten nach 2-3 Wochen nachfragen, wie es läuft, sodass sich die Dozenten auch sicher sein können, dass die entsprechenden Aufgaben eines Praktikanten erfüllt werden bzw. dass jeder Dozent bis zum ersten gemeinsamen Termin weiß, wer wo arbeitet und wie es läuft, sodass man sich konkret auf die Forschungsfrage konzentrieren kann.

Was erhoffst du dir für das sechste Semester bezogen auf dein Praktikum?

Ich erhoffe mir die erlernten Inhalte und Methoden im Praktikum bei der Bachelorarbeit verwenden zu können und dass ich meine Forschungsergebnisse sinnvoll nutzen kann und volle Unterstützung von den Dozenten erhalte. Ich wünsche mir außerdem, dass ich mich im 6. Semester voll auf meine Bachelorarbeit konzentrieren kann und andere Aufgaben nicht umfangreich behandelt werden.

Haben sich bis jetzt Bereiche/Fragen/Anregungen ergeben in deinem Praktikum, die du gern in der Nachbereitung beantwortet haben möchtest und aus deinem Praktikum mit in das neue Semester nimmst? (z.B. ethische Fragen, wissenschaftliche Fragen etc.)

Ich würde mich gern nochmal über die Forschungsansätze qualitativ und quantitativ erkundigen, da ich von der qualitativen Forschung kaum etwas aus dem Seminar hervorrufen kann, bzw. mir die Ansätze fehlen.

Was sind deine Erwartungen und Vorstellungen darüber, wie sich der Übergang vom Praxissemester in das sechste (Sommer)Semester gestalten wird?

Ich erwarte mir einen weichen Übergang von dem Arbeitsbereich zum Hochschulbereich, sodass wir Studierenden uns erstmal wieder in das Hochschulleben einfinden können und nicht mit Aufgaben überrannt werden.

*Die Institution und der Name der Studierenden wurden anonymisiert

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